Bei einem Lebewesen, welches 200 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte zu verzeichnen hat, würde ich mir vorstellen, dass dieses Lebewesen es zu einem relativ hohen Grad an Intelligenz und einem an die wechselnden Anforderungen der Natur angepassten Körper gebracht hat. In gewissem Sinne ist dies auch bei den meisten Lebewesen so, welche auf eine solch lange Geschichte zurückblicken können. Es sei nun nicht immer die Intelligenz, so wie wir sie messen, sondern vielleicht eine Anpassung an die Anforderungen, welche manche Kreaturen überleben lässt.

Ein solches Lebewesen ist die sogenannte Eintagsfliege. Von Intelligenz kann ich hier nicht sprechen, jedoch von der genialen Vorsehung der Natur, welches diese kurzlebigen Wesen über solch einen langen Zeitraum hat überleben lassen.

Wie alt wird diese Eintagsfliege und warum gaben wir ihr diesen Namen?

Leben für einen Tag

Die Eintagsfliege ist eine der ältesten Insekten und hat sich über den oben erwähnten Zeitraum von 200 Millionen Jahren in unserer Welt behauptet.

Das tatsächliche Lebensalter der Eintagsfliege liegt zwischen einigen Stunden und wenigen Tagen. Die Lebenszeit variiert zwischen den zahlreichen Arten, denn von der Eintagsfliege gibt es nicht nur eine Art. Nicht umsonst hat sie sich so lange hier behauptet. Heute gibt es mehr als 2800 Arten weltweit, alleine um die 300 Arten treiben sich auf dem europäischen Kontinent herum.

Eintagsfliege

‚Eintagsfliege‘? Mit dem Namen geht eine gewisse Melancholie einher, ein wenig Traurigkeit. Leben nur für einen Tag erscheint ein wenig sinnlos und sicher viel zu kurz, selbst für ein Insekt. Bei einem Fliegenfischer fand ich ein Zitat, welches schon fast poetisch klingt. In der Übersetzung heißt es etwa so:

‚Da ist etwas an Eintagsfliegen, etwas Besonderes. Für den Fliegenfischer sind sie der Inbegriff des Fliegenfischens – vorhersehbar unvorhersehbar. Faszinierende Kreaturen, gerade aus dem Schoß von Mutter Natur geschlüpft. Ich denke, es ist die Vergänglichkeit der Eintagsfliegen, diese faszinierende und furchtbar kurze Ansicht einer schönen glitzernden Kreatur, welche über der Wasseroberfläche schwebt. Es kann eine Frage von Stunden sein, bevor diese Schönheit wieder vergeht […] Ich schaue sie an und denke, vielleicht bin ich der Einzige, der sie je sehen wird.‘

Der lateinische Name der Eintagsfliege lautet Ephemeroptera, ‚kurzlebig‘ oder ‚eintägig‘.

Wie macht die Eintagsfliege ihre Kurzlebigkeit wieder wett?

Ganz einfach so. Die Larve ist kaum geschlüpft, schon ist sie unterwegs, um einen Partner zu finden. Die Männchen tanzen über der Wasseroberfläche, wo sie sich gerade erst aus der schützenden Hülle befreit haben, und warten auf die Weibchen, um deren Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Kaum ist dies geschehen, werden schon wieder neue Eier gelegt und an geschützten Orten im Wasser unter Steinen oder ähnlichem versteckt. Diese Eier warten dann bis zu 1 Jahr, je nach Art, darauf, sich wiederum ins kurze aber lebendige Getümmel zu stürzen.


Die Eintagsfliege überlebt, weil die Vermehrungsrate extrem hoch ist.

Was mich gerade an den leider inzwischen verstorbenen satirischen Autor Ephraim Kishon erinnert, welcher eine Kurzgeschichte über eine Begegnung mit Fliegen in seinem Haus schrieb. Zwischen der Jagd mit dem Handtuch, der Fliegenklatsche, Insektenspray etc. versucht er alles, der Plage Herr zu werden, während die Fliegen sich nur zu vermehren schienen. (Waren dies Eintagsfliegen?) Am Ende lag er am Boden, betäubt von Insektenspray – die Fliegen besetzten sein Haus.

Ist ein Tag genug im Leben einer Fliege

Wie der Tausendfüßler keine tausend Füße hat, so lebt die Eintagsfliege nicht nur einen Tag. Zumindest nicht jede Art, wie wir sehen. Doch ihr Leben ist extrem kurz. Nach Sinn und Zweck sucht sie hingegen nicht, vielleicht reicht es dann doch aus?

Bildquelle: Wikimedia
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